Lesekompetenz und Leseförderung – gestern und heute

© privat

von Andreas Hartmann

Kann man sich das heute noch vorstellen? Zur Zeit meiner Kindheit, Ende der 70er/Anfang der 80er Jahre, konnte das Bild eines lesenden Jungen die Eltern nicht selten in Sorge versetzen. „Warum geht er nicht raus und schrammt sich die Knie auf dem Bolzplatz blutig?“ Wir sollten lernen, uns mit Ellenbogen, notfalls auch mit der Faust, durchzusetzen. Das Lesen würde schon von alleine kommen, zumindest so weit, wie es für den beruflichen Alltag im späteren Erwachsenenleben als erforderlich angesehen wurde.

Diejenigen, deren Lesekompetenz als unzureichend galt (schon damals teilte ich die Klasse mit zahlreichen Kindern, die zwar in Deutschland aufgewachsen, aber in der Sprache nicht zu Hause waren), diejenigen mit mangelhafter Lese- und Sprachkompetenz also bekamen Förderunterricht. Der bestand in weiten Teilen darin, dass die Kinder Texte aus schmucklosen Lesefibeln bearbeiten sollten. Eigeninteresse, intrinsische Lust am Buch, das Vergnügen in „Lesevergnügen“ wurde so gewiss nicht geweckt.

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Interview mit Mirai vom Blog „Lass mal lesen“

Mirai und unsere Autorin Martina Wildner

Mirais Blog: https://lass-mal-lesen.blog

Bei Instagram ist Mirai unter dem Namen @lesehexemimi zu finden.

Ein Text von Martina Wildner

An einem schönen Frühlingstag treffe ich mich mit der Buchbloggerin Mirai, 12, in einem Café in der Florastraße in Pankow. Wir haben es beide nicht weit, ich bin aber ganz verschwitzt, weil ich ziemlich schnell geradelt bin.

Zuerst machen wir Fotos, draußen vor blühenden Forsythien und Zierpflaumen, dann geht es los. Ich muss Mirai gestehen, dass es das erste Interview meines Lebens ist – ich bin 50! – und sie rät mir, ein Programm anzuschaffen, das mit dem Handy aufgenommene Gespräche in Text umwandelt. Stimmt! Gleich was gelernt! Also auf zur ersten Frage:

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Schomburgs Reimomat

© Agnieszka Kosakowska

Schade, dass die meisten Verlage mit Kinderlyrik-Bänden so zögerlich sind. Sammelbände meine ich jetzt, mit den Werken einer Autorin, eines Autors. Gereimte Bilderbuchtexte werden ja gern genommen. Ich freue mich sehr über meine Reim-Bilderbücher,  z.B. „Neu in der Familie: Chamäleon Ottilie“ (Fischer Sauerländer 2017),  „1, 2, 3, so kann es gehn, eben waren es noch zehn“ (Tulipan 2017) und, ganz druckfrisch, „Klaus, wir retten dich, halt aus“, ein gereimtes Weihnachtsabenteuer (arsEdition 2018).
Für weitere Gedichte habe ich ein geniales Vermarktungskonzept entwickelt und teile es gern mit euch:

 

Zukunftspläne

Andrea Schomburg 2018

 

Ein Dichter ist total frustriert,

weil kein Verlag ihn publiziert.

Und der Agent, mit Achselzucken,

sagt: „Lyrik will halt keiner drucken.

Ich tu ja wirklich, was ich kann …“

Der Dichter denkt sich irgendwann:

„Ich find ja doch kein Publikum“,

reimt sich noch eins und bringt sich um.

Nun sagen alle, das ist klar,

wie herrlich er als Dichter war:

Sensibel, einfühlsam, verletzlich

und schlechthin einfach unersetzlich.

Und eines Tages dringt die Klage

natürlich auch bis zum Verlage,

und der Verleger sieht, genial,

sofort das Absatzpotential:

„Der hat sich umgebracht? Ach nee!

Da war doch noch dies Exposé …

Hm, ja – sieht bisschen dünne aus –

Na, ist egal, das bring‘ wir raus.

Und in den Klappentext, da schreibt:

Der Dichter hat sich jüngst entleibt.

Sein Schicksal war bewegt und tragisch,

doch seine Dichtung, die ist magisch!“

Gesagt, getan. Das Buch erscheint,

und alles kauft und liest und weint,

und der Poet erlebt posthum

Erfolg und Glanz und Hype und Ruhm.

 

Dies lehrt: Den Dichter, den man mied,

den druckt man gern, wenn er verschied.

Ihr Dichter, die ihr denkt und schreibt –

plant lieber, wie ihr euch entleibt!

Und wenn ihr auch erst skeptisch guckt:

Was zählt, ist doch, dass man euch druckt!