BÜCHERORT / Lesekeller der Adolf-Glaßbrenner-Grundschule

Bücher sind ein Schatz, den es zu heben gilt

Von Ilke S. Prick

Foto © Michael Wien

Autor*innen sitzen am Schreibtisch und denken sich wunderbare Geschichten aus. Illustrator*innen entwerfen dazu Welten mit Stift und Computer. Gemeinsam erschaffen sie Schätze, die Buchdeckel an Buchdeckel in Regalen geduldig darauf warten, dass jemand sie entdeckt. Manchmal warten diese Schätze dort sehr lange: in Bibliotheken, deren KJL-Abteilung schlecht frequentiert ist, in Schulen, die sich vor allem mit den Klassikern der Kinder- und Jugendliteratur auf der sicheren Seite wähnen. Als ich zum ersten Mal eine Schreibwerkstatt im Lesekeller des Freizeitbereichs der Adolf-Glaßbrenner-Grundschule in Kreuzberg geben sollte, war ich im Vorfeld sehr gespannt, welche Art von Buchregalen mich dort erwarten würde. Zum Lesen in den Keller gehen? Eine eigenartige Vorstellung … Nicht gerechnet hatte ich mit dem, was ich vorfand: keine verstaubte „pssst“-Bibliothekenstille, sondern begeisterte Grundschul-Leseratten und ein engagiertes Team an einem Ort, an dem Bücher gelebt und geliebt werden. Ich war entzückt!

Und auch jetzt, an einem tristen Winternachmittag acht Jahre und etliche Lesekeller-Schreibwerkstätten später, hat sich daran nichts geändert – weder an meiner Begeisterung, noch an der Lebendigkeit im Souterrain. Im Gegenteil. Als ich den großen Leseraum betrete, sind die Sofas besetzt von Kindern und Büchern. Gemeinsam werden Geschichten gelesen und besprochen – leise in der einen Ecke, etwas lautstärker in der anderen. Auf dem bunten Teppich, barsockig und ausgestreckt, versinken einzelne Nasen in Geschichten. Neugierig schweifen Blicke über die Regale, kleine Finger durchstöbern die thematisch geordneten Bücherkisten nach Lesefutter. Im hinteren Raum darf auch getobt werden, solange es eine moderate Lautstärke nicht überschreitet. 

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Das schaurige Haus – Der Film

Von Martina Wildner

So ein Film ist eine langwierige, komplizierte und vor allem teure Angelegenheit. Zwischen dem Erscheinen meines Buches „Das schaurige Haus“ 2011 und der voraussichtlichen Premiere Halloween 2020 liegen neun Jahre. In der Zeit wurde das Buch für den Deutschen Jugend-literaturpreis 2012 nominiert und hat sich zu einem kleinen Dauerbrenner – es ist öfter sogar Schullektüre – entwickelt. Irgendwann in dieser Zeit kaufte die Münchner Filmproduktionsfirma nakedeye eine Option auf das Buch. Die Rechte hatte ich einst an Beltz abgegeben, die wiederum eine Filmagentur (Graf & Graf) beauftragt hatten.

Lange Zeit hörte ich nichts, bis es plötzlich im Februar 2017 zu einem Treffen mit den Drehbuchautoren und nakedeye kam. Die Angelegenheit nahm an Fahrt auf, der ORF zeigte Interesse, sich an den Produktionskosten zu beteiligen, und so wurde der Film zu einer rein österreichischen Produktion der Firma monafilm (www.monafilm.tv), weswegen schließlich das Geschehen vom Allgäu nach Kärnten verlegt wurde. Der Allgäuer Dialekt wurde zum Kärntner Dialekt, mein Held Hendrik, ein Ossi, wurde Piefke aus Hannover! Am 28. August fuhr ich für einen Setbesuch nach Bad Eisenkappel bei Klagenfurt.

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2019 – Die fehlenden Bücher

© Fotocenter Berlin

Von Kathrin Köller

Am Anfang dieses Artikels standen jede Menge Anfragen bei Pressevertreterinnen. Ich fragte nach Büchern, in denen Menschen aus dem LGBTIQ-Spektrum auftauchen. Bücher, in denen schwule, lesbische, bi- und pansexuelle Menschen zum Personal der Geschichte gehören, ebenso wie Menschen, die Trans sind, genderfluid oder sich jenseits von männlich und weiblich definieren. Ich suchte Bücher, in denen der ältere Bruder seinen Freund mit nach Hause bringt, ein non-binäres Kind Fußball spielt, oder eine Jugendliche sich in ihre beste Freundin verliebt.

Mindestens 10 Prozent der Menschen in Deutschland verorten sich im LGBTIQ-Spektrum, der Anteil unter Jugendlichen ist eher noch höher. Alle Kinder und Jugendlichen haben in ihrem Umfeld Menschen, die nicht hetero sind oder auch trans, non-binär oder agender. Ich wollte mir anschauen, wie sich diese gesellschaftliche Realität in den knapp 9000 Kinder- und Jugendbüchern des Jahres 2019 abbildet. Meine große Sorge war, nicht alles lesen und würdigen zu können. Ich begann frühzeitig mit der Recherche. Die Pressevertreterinnen recherchierten ebenfalls. Meistens „sah es 2019 nicht so gut aus“, aber sie konnten mir aus vergangenen Jahren ein paar Bücher ans Herz legen. Aber 10 Prozent der Bevölkerung sind doch kein Trendthema und ich ging davon aus, dass in jedem Jahr Kinder- und Jugendbücher erscheinen müssten, in denen die gesellschaftliche Realität abgebildet wird.

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Links im Oktober

© Halina Kirschner/Katja Spitzer

Ausstellung

Die Illustratorinnen Halina Kirschner und Katja Spitzer zeigen unter dem Titel „Überwiegend Bilderbücher“ Bilder aus Büchern in Oelsnitz im Erzgebirge. Am 25. Oktober, um 19 Uhr wird die Ausstellung im Heinrich-Hartmann-Haus eröffnet. Die Ausstellung geht vom 25. Oktober bis zum 8. Dezember.
09376 Oelsnitz/Erzgeb., Untere Hauptstr. 16
www.heinrich-hartmann-haus.de
Do 9 bis 17 Uhr Fr, Sa, So 14 bis 18 Uhr

© Kirsten Reinhardt
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Frauenpower und weibliche Vorbilder

Wir freuen uns über einen tollen Gastartikel (Auszug) von Heike Brillmann-Ede. Der vollständige Beitrag erschien ursprünglich unter dem Titel „SICHTBAR werden — und bleiben!“ im Eselsohr April 2019. Wir dürfen den Text auszugsweise auf dem Spreeautoren-Blog veröffentlichen. Vielen Dank an Heike Brillmann-Ede und das Eselsohr.

Weibliche Vorbilder werden gebraucht. JA, und schön, dass die #MeToo-Debatte geholfen hat, das Thema erneut ins Bewusstsein zu rücken. Diskussion bis zum Kampf treibt Frauen seit Jahrhunderten an: Wie schaffen wir es, endlich gleichgestellt und gleichbehandelt zu werden? Weltweit. Unbedingte Voraussetzung ist das Benennen derjenigen, die vorangehen. Denn Sichtbarkeit ermöglicht Identifikation. Ein Blick in die Buchwelt lässt hoffen, dass das aktuelle Engagement nachhaltig gedacht ist.

Von Heike Brillmann-Ede

Gelungen ist der Überblick, den Marta Breen (Text) und Jenny Jordahl (Illustraion) in Rebellische Frauen präsentieren. Weit gespannt ist der historische Bogen: von 1840, als beim inter- nationalen Anti-Sklaverei-Kongress in England die Frauen zwar zuhören, aber nicht mitreden durften, und wenig später Amerikanerinnen in einem Manifest die Gleichberechtigung von Mann und Frau forderten – bis hin zu Malala, der jüngsten Friedensnobelpreisträgerin, und #MeToo. Neben mitreißenden Einzelporträts geben die farbthematisch gestalteten Doppelseiten Aufschluss über die Ziele: Befreiung aus männlicher Vormundschaft, Wahlrecht und politische Teilhabe auf allen Ebenen, das Recht auf Bildung und gleiche Bezahlung, gegen die Unterdrückung durch die Religion und für das Recht auf Verhütung, Abtreibung und sexuelle Orientierung. Viel wird erreicht, wenn nur eine vorangeht!

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