Mit Ohrenbär fing alles an

© Andreas Eisenhart

Von Sabine Ludwig

Nun, das stimmt nicht so ganz, denn natürlich begann meine enge Beziehung zum Radio sehr viel früher. Als Kind war unser Radio für mich ein Zauberkasten. Lange war ich davon überzeugt, dass darin winzige Menschen steckten, die sprachen, sangen, musizierten. So wie das Engelsorchester auf Opas Weihnachtspyramide stellte ich mir auch das Orchester im Radio vor. (Allerdings ging ich nicht davon aus, dass der Pianist mit nacktem Hintern vor dem Flügel saß wie der Holzengel aus dem Erzgebirge.) Jeden Sonntagmorgen Punkt zehn ertönte: „Der Onkel Tobias vom RIAS ist da!“ Einmal im Monat gab es ein Hörspiel, ein Kasperlestück, das ich liebte, an den anderen Sonntagen waren die RIAS-Kinder bei Onkel Tobias zu Gast und erzählten oder sangen irgendwas. Ich fand es öde und bin bis heute davon überzeugt, dass Kinder das, was Gleichaltrige machen oder sagen, selten interessant finden. (Das glauben vielleicht Programmverantwortliche, weil es so schön billig ist, Kindern ein Mikro vor die Nase zu halten.) Nein, Kinder wollen Geschichten hören, gern auch die der Erwachsenen. Ich erinnere mich, wie ich so tat, als schliefe ich, wenn die reißerische Erkennungsmelodie von „Es geschah in Berlin“ ertönte, damit meine Eltern bloß nicht auf die Idee kamen, das Radio abzustellen. Verstanden habe ich kaum etwas, genossen habe ich es trotzdem.

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Trauer um Eva Muszynski

Die Berliner Kinderbuchszene verliert eine ihrer tollsten Illustratorinnen und Autorinnen:
Eva Muszynski.

© Lotte Ostermann

Eva Muszynski wurde 1962 in Berlin geboren und studierte Grafikdesign an der Hochschule der Künste Berlin. Früher zeichnete sie Comics für Erwachsene, seit 1997 illustrierte sie Kinderbücher, zu denen sie auch eigene Geschichten schrieb. Sie lebte mit ihrer Familie in Berlin.

Besonders bekannt sind natürlich die Bücher von Cowboy Klaus in Zusammenarbeit mit Karsten Teich. Aber auch viele andere Bücher aus ihrer Feder oder ihrem Stift sind bei renommierten Verlagen erschienen.

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10 Fragen an unsere SpreeautorInnen: Cally Stronk

Foto: © Christian Friedrich

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Name: Cally Stronk
geboren in:  Bonn
seit wann in Berlin: seit meinem 4. Lebensjahr
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1. Was sind die drei Lieblingsbücher deiner Kindheit?

Oh, drei Bücher reichen da nicht … Ich habe die Bilderbücher „Frederick“ von Leo Lionni , „Fantadu“ von Helme Heine und „Die Löwenkinder“ von Janosch geliebt. Die haben wir immer und immer wieder mit der gesamten Familie gelesen. Später, als ich alleine lesen konnte, mochte ich am liebsten „Mio mein Mio“ und „Ronja Räubertochter“ von Astrid Lindgren und „Hilfe, die Herdmanns kommen“ von Barbara Robinson.

2.  Wie kam es zu deinem Berufswunsch Autorin – und wie bist du es geworden?

Als Kind wollte ich Polizistin werden, auch mal Müllfrau. Später dann Schauspielerin oder Sängerin. Autorin bin ich eher durch Zufall nach einem Praktikum beim Tulipan Verlag geworden. Da kam plötzlich eins zum anderen. 

3. Wie sieht dein Arbeitsplatz aus?

Nicht immer so aufgeräumt!

Foto: © Cally Stronk
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Rassistisch? Ich? Niemals!

© Till Hülsemann

Von Salah Naoura

2011 erschien mein Erstlesebuch „Nora und die Tigerinsel“ (Duden Lesedetekive, mit Illustrationen von Susanne Wechdorn), eine Geschichte, die ich immer ganz besonders mochte. Darin fährt ein weiße Familie in den Ferien ans Meer, in ein Land, wo „die Sonne heiß vom Himmel brennt“. Allerdings haben die Eltern und ihre Tochter Nora sehr unterschiedliche Vorstellungen von einem tollen Urlaub. Nora will Schlangen, Tiger, Krokodile, Piraten … und vor allem andere Kinder. Die Eltern wollen am Strand rumliegen, und das Gefährlichste, erklären sie, was es in diesem Urlaub geben wird, sind Sandflöhe. Mannomann, findet Nora, wie langweilig!

Am Meer angekommen, sieht Nora (immer wenn die Eltern nicht dabei sind) hinten am Horizont eine Insel, und schließlich setzt sie auf dem Rücken einer Schildkröte über und stellt fest, dass man dort traumhafte Ferien verbringen kann! Im Insel-Urwald leben nicht nur Piraten, Tiger und Schlangen, sondern Nora trifft auch auf die wilde Lea, eine braunhäutige Version von Pippi Langstrumpf, die mit Piraten, Tigern und Schlangen umzugehen weiß, und wenn sie auf zwei Fingern pfeift, legen sich die Krokodile brav der Reihe nach in den Fluss und bilden eine Brücke.

Neulich bekam ich nun Post von einer Frau, die mir Rassismus vorwarf. Ihre Nichten und Neffen sähen nämlich eher so aus wie die wilde Lea, nicht wie Nora – denen könne man dieses Buch unmöglich vorlesen. Rassistisch? Ich? Niemals!, dachte ich und holte das längst vergriffene Buch aus dem Schrank. Auftritt wilde Lea:

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10 Fragen an unsere SpreeautorInnen: Hendrik Jonas

© Foto: privat

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Name: Hendrik Jonas
geboren in: Birkenfeld
seit wann in Berlin: 1995
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1. Was sind die drei Lieblingsbücher deiner Kindheit?

„Mrs. Beestons Tierklinik“ von Renée Nebehay, mit den großartigen Illustrationen von Walter Schmögner.

„Der Räuber Hotzenplotz“ von Otfried Preußler mit den Bildern von Franz Josef Tripp hatte alle Voraussetzungen für ein Lieblingsbuch, vor dem großen und bösen Zauberer Petrosilius Zwackelmann habe ich mich aber zu Tode gefürchtet. Also, von denselben Künstlern: „Der kleine Wassermann“.

Und, schon als Leser: „Ferien auf Saltkrokan“ von Astrid Lindgren.

2.  Wie kam es zu deinem Berufswunsch Illustrator – und wie bist du es geworden?

Ursprünglich wollte ich Kunst studieren. Also bin ich nach dem Zivildienst mit einer Mappe unter dem Arm zur Kunstakademie in München marschiert, wo man mir allerdings riet, erst mal was „Handfestes“ zu lernen und danach wiederzukommen. Ich glaube heute, dass ich denen einfach ein bisschen zu jung und unernsthaft war.

So habe ich in Augsburg an der FH für Gestaltung Grafikdesign studiert und mich ab dem Vordiplom auf Illustration (was dort gar nicht explizit gelehrt wurde) fokussiert.

Mir hat das sehr gefallen und ich blieb dabei.

3. Wie sieht dein Arbeitsplatz aus?

Ziemlich chaotisch, was ich übrigens nicht besonders schätze. Für mich fühlt es sich manchmal so an, als würde ich ununterbrochen aufräumen, was aber völlig zwecklos ist, weil im Handumdrehen alles wieder durcheinander geht. Eine Ausnahme betrifft das Schreiben; wenn ich an einer Geschichte sitze, muss Ordnung auf meinen zweieinhalb Tischen herrschen.

© Foto: privat
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