Rassistisch? Ich? Niemals!

© Till Hülsemann

Von Salah Naoura

2011 erschien mein Erstlesebuch „Nora und die Tigerinsel“ (Duden Lesedetekive, mit Illustrationen von Susanne Wechdorn), eine Geschichte, die ich immer ganz besonders mochte. Darin fährt ein weiße Familie in den Ferien ans Meer, in ein Land, wo „die Sonne heiß vom Himmel brennt“. Allerdings haben die Eltern und ihre Tochter Nora sehr unterschiedliche Vorstellungen von einem tollen Urlaub. Nora will Schlangen, Tiger, Krokodile, Piraten … und vor allem andere Kinder. Die Eltern wollen am Strand rumliegen, und das Gefährlichste, erklären sie, was es in diesem Urlaub geben wird, sind Sandflöhe. Mannomann, findet Nora, wie langweilig!

Am Meer angekommen, sieht Nora (immer wenn die Eltern nicht dabei sind) hinten am Horizont eine Insel, und schließlich setzt sie auf dem Rücken einer Schildkröte über und stellt fest, dass man dort traumhafte Ferien verbringen kann! Im Insel-Urwald leben nicht nur Piraten, Tiger und Schlangen, sondern Nora trifft auch auf die wilde Lea, eine braunhäutige Version von Pippi Langstrumpf, die mit Piraten, Tigern und Schlangen umzugehen weiß, und wenn sie auf zwei Fingern pfeift, legen sich die Krokodile brav der Reihe nach in den Fluss und bilden eine Brücke.

Neulich bekam ich nun Post von einer Frau, die mir Rassismus vorwarf. Ihre Nichten und Neffen sähen nämlich eher so aus wie die wilde Lea, nicht wie Nora – denen könne man dieses Buch unmöglich vorlesen. Rassistisch? Ich? Niemals!, dachte ich und holte das längst vergriffene Buch aus dem Schrank. Auftritt wilde Lea:

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10 Fragen an unsere SpreeautorInnen: Hendrik Jonas

© Foto: privat

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Name: Hendrik Jonas
geboren in: Birkenfeld
seit wann in Berlin: 1995
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1. Was sind die drei Lieblingsbücher deiner Kindheit?

„Mrs. Beestons Tierklinik“ von Renée Nebehay, mit den großartigen Illustrationen von Walter Schmögner.

„Der Räuber Hotzenplotz“ von Otfried Preußler mit den Bildern von Franz Josef Tripp hatte alle Voraussetzungen für ein Lieblingsbuch, vor dem großen und bösen Zauberer Petrosilius Zwackelmann habe ich mich aber zu Tode gefürchtet. Also, von denselben Künstlern: „Der kleine Wassermann“.

Und, schon als Leser: „Ferien auf Saltkrokan“ von Astrid Lindgren.

2.  Wie kam es zu deinem Berufswunsch Illustrator – und wie bist du es geworden?

Ursprünglich wollte ich Kunst studieren. Also bin ich nach dem Zivildienst mit einer Mappe unter dem Arm zur Kunstakademie in München marschiert, wo man mir allerdings riet, erst mal was „Handfestes“ zu lernen und danach wiederzukommen. Ich glaube heute, dass ich denen einfach ein bisschen zu jung und unernsthaft war.

So habe ich in Augsburg an der FH für Gestaltung Grafikdesign studiert und mich ab dem Vordiplom auf Illustration (was dort gar nicht explizit gelehrt wurde) fokussiert.

Mir hat das sehr gefallen und ich blieb dabei.

3. Wie sieht dein Arbeitsplatz aus?

Ziemlich chaotisch, was ich übrigens nicht besonders schätze. Für mich fühlt es sich manchmal so an, als würde ich ununterbrochen aufräumen, was aber völlig zwecklos ist, weil im Handumdrehen alles wieder durcheinander geht. Eine Ausnahme betrifft das Schreiben; wenn ich an einer Geschichte sitze, muss Ordnung auf meinen zweieinhalb Tischen herrschen.

© Foto: privat
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Links im Monat Juli

© Britta Teckentrup, Jacoby und Stuart


Zum Anschauen
Martina Wildners Buch „Das schaurige Haus“ wurde verfilmt. Die SZ berichtet darüber und einen Trailer gibt es auch schon zu sehen.

Aktuell / Zum Thema Rassismus
Am 25. Mai wurde der Afroamerikaner George Floyd in Minneapolis von Polizisten ermordet. Danach gab es viele Diskussionen über Rassismus in den Medien. Für uns Kinderbuchschaffende stellt sich natürlich die Frage: Wie können wir mit Kindern über Rassismus reden?
Dazu gibt es einen sehr guten Beitrag von der Rassismus-Expertin und Buchautorin Tupoka Ogette auf Deutschlandfunk Kultur.

Rassismuskritische Kinder- und Jugendbücher
Das Magazin Edition F hat Kinder- und Jugendbücher, die sich mit Rassismus auseinandersetzen, gesammelt.

Ausgezeichnet
Das KIMI-Siegel zeichnet vielfältige Kinderbücher aus. Die aktuell ausgezeichneten Bücher sind jetzt auf der KIMI Website.

Ärgerlich
Der NDR muss sparen, ausgerechnet die Kindersendungen „Ohrenbär“ und „Mikado“ sollen nun abgesetzt werden. Ein Kommentar von Ralf Schweikart.

Neuerscheinung
„Stark. Rebellinnen von heute“ heißt das Buch von Anusch Thielbeer (Illustration) und Kathrin Köller (Text). Die beiden haben 12 Berliner Mädchen interviewt.

Podcast
Die Monheimer Bücherkinder aus dem Ulla-Hahn-Haus haben „Das Rätsel von Ainsley Castle“ gelesen und Spreeautorin Holly-Jane Rahlens dazu interviewt. Hier kann man den Podcast nachhören. Das Buch gehört zu den von Deutschlandfunk Kultur ausgewählten besten 7 Büchern für junge Leser im Monat Juli.

Preisregen
Die Spreeautorin Ilke S. Prick erhält das Stipendium für Kinder- und Jugendbuchautoren des Kulturminsteriums von Niedersachsen für ihr Kinderbuchprojekt „lichterloh“.

Das Bilderbuch „Meine liebsten Dinge müssen mit“ von Spreeautorin Sepideh Sarihi und Illustratorin Julie Völk gewann bei der Kinder- und Jugendbuchmesse Bologna den Preis für Fiktion.
Hier gibt es einen Beitrag über das Buch zum Nachhören.

Das Bilderbuch „Sommerhaus am See“ nach dem gleichnamigen Roman von Thomas Harding, illustriert von Britta Teckentrup wurde im April unter die besten 7 Kinder- und Jugendbücher des Monats April gewählt. Das Buch erschien bei Jacoby und Stuart.
Außerdem wurde „Sommerhaus am See“ von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur empfohlen.

„Joshua-Der kleine Zugvogel“ heißt das neueste Bilderbuch von Spreeautorin Inka Pabst und Illustrator Mehrdad Zaeri. Das Buch wurde unter die besten 7 im Monat Mai gewählt und erschien bei Tulipan.

Zum Nachhören
Die Illustratorinnen Katrin Stangl und Heike Herold im Gespräch über das passende Bild zum Text im Deutschlandfunk.

Noch was Schönes
Auf Instagram gibt es jetzt Seifenopern für Kinder. Erdacht und realisiert von Sepideh Sarihi.

Schomburgs Reimomat 6

© Agnieszka Kosakowska

Glücklicher kleiner Morgen

Von Andrea Schomburg


Fand meinen tot geglaubten linken Socken
und stelle fest, die Wäsche ist fast trocken
und schrieb total beschwingt im Schaffenswahn
schon fast drei neue Seiten am Roman
und muss heut gar nicht zu Terminen eilen
und kann im Land der Phantasie verweilen
wie Herr Diogenes in seiner Tonne.
Und außerdem scheint heute mal die Sonne
und wärmt den Winterling mit liebem Gruß.
Der linke Socken wärmt den linken Fuß,
die Wäsche schaut zufrieden aus der Wäsche,
die Knospen knospen an der Eberesche,
ein dicker Tulpenstrauß prangt in der Vase,
die Meisen flitzen in die Nestbauphase
und sichten Material fürs Bauprojekt  –
ein kleiner Morgen, glücklich und perfekt.

Über das Nichtzustandekommen eines Lesefestivals

© privat

Von Nina Petrick

Mehr als vier Jahre ist es inzwischen her, dass meine Freundin, die Autorin Susanne Fülscher, mich fragte, ob ich mich zusammen mit ihr, dem Jugendbuchautor Daniel Höra und Frank Sommer von der Agentur für Leseförderung „Eventilator“ für leseschwache Kinder und Jugendliche engagieren würde. Begeistert sagte ich zu. Unser Vorbild war u.a. das Lesefestival „Hamburger Vorlesevergügen“ unter der Schirmherrschaft von Andreas Schlüter, präsentiert vom Hamburger Verkehrsverbund und dem Arbeitskreis Hamburger Wohnungsbaugnossenschaften.

Da es in Berlin nicht einfach war, Sponsoren zu finden, und wir zudem auf einige Widerstände stießen, kamen wir auf die Idee einen Verein zu gründen: Berlinerlesen e.V. Das Logo gestaltete die Illustratorin und Autorin Tanja Székessy, die uns auch in der Vereinsarbeit tatkräftig unterstützte. Für unsere Idee konnten wir auch die Berliner Lektorin und Leseagentin Heike Brillmann-Ede und Martina Freise von der Berliner Commerzbank gewinnen.

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