Rassistisch? Ich? Niemals!

© Till Hülsemann

Von Salah Naoura

2011 erschien mein Erstlesebuch „Nora und die Tigerinsel“ (Duden Lesedetekive, mit Illustrationen von Susanne Wechdorn), eine Geschichte, die ich immer ganz besonders mochte. Darin fährt ein weiße Familie in den Ferien ans Meer, in ein Land, wo „die Sonne heiß vom Himmel brennt“. Allerdings haben die Eltern und ihre Tochter Nora sehr unterschiedliche Vorstellungen von einem tollen Urlaub. Nora will Schlangen, Tiger, Krokodile, Piraten … und vor allem andere Kinder. Die Eltern wollen am Strand rumliegen, und das Gefährlichste, erklären sie, was es in diesem Urlaub geben wird, sind Sandflöhe. Mannomann, findet Nora, wie langweilig!

Am Meer angekommen, sieht Nora (immer wenn die Eltern nicht dabei sind) hinten am Horizont eine Insel, und schließlich setzt sie auf dem Rücken einer Schildkröte über und stellt fest, dass man dort traumhafte Ferien verbringen kann! Im Insel-Urwald leben nicht nur Piraten, Tiger und Schlangen, sondern Nora trifft auch auf die wilde Lea, eine braunhäutige Version von Pippi Langstrumpf, die mit Piraten, Tigern und Schlangen umzugehen weiß, und wenn sie auf zwei Fingern pfeift, legen sich die Krokodile brav der Reihe nach in den Fluss und bilden eine Brücke.

Neulich bekam ich nun Post von einer Frau, die mir Rassismus vorwarf. Ihre Nichten und Neffen sähen nämlich eher so aus wie die wilde Lea, nicht wie Nora – denen könne man dieses Buch unmöglich vorlesen. Rassistisch? Ich? Niemals!, dachte ich und holte das längst vergriffene Buch aus dem Schrank. Auftritt wilde Lea:

Mehr lesen

Über das Nichtzustandekommen eines Lesefestivals

© privat

Von Nina Petrick

Mehr als vier Jahre ist es inzwischen her, dass meine Freundin, die Autorin Susanne Fülscher, mich fragte, ob ich mich zusammen mit ihr, dem Jugendbuchautor Daniel Höra und Frank Sommer von der Agentur für Leseförderung „Eventilator“ für leseschwache Kinder und Jugendliche engagieren würde. Begeistert sagte ich zu. Unser Vorbild war u.a. das Lesefestival „Hamburger Vorlesevergügen“ unter der Schirmherrschaft von Andreas Schlüter, präsentiert vom Hamburger Verkehrsverbund und dem Arbeitskreis Hamburger Wohnungsbaugnossenschaften.

Da es in Berlin nicht einfach war, Sponsoren zu finden, und wir zudem auf einige Widerstände stießen, kamen wir auf die Idee einen Verein zu gründen: Berlinerlesen e.V. Das Logo gestaltete die Illustratorin und Autorin Tanja Székessy, die uns auch in der Vereinsarbeit tatkräftig unterstützte. Für unsere Idee konnten wir auch die Berliner Lektorin und Leseagentin Heike Brillmann-Ede und Martina Freise von der Berliner Commerzbank gewinnen.

Mehr lesen

Bananadogs in San Francisco

Von Katja Spitzer

© Katja Spitzer

Ich liebe meine Arbeit und kann mir meist nichts Schöneres vorstellen, als Bücher zu illustrieren. Aber manchmal denke ich daran, wie mein Leben wohl verlaufen wäre, wenn ich einen anderen Beruf ergriffen hätte.
Schon als Kind mochte ich Bücher und sortierte sie gern. „Vielleicht wirst du ja Bibliothekarin“, vermutete meine Mutter. Die Leute um mich herum tippten eher auf Künstlerin. Was aber nicht an einer sichtbaren Begabung lag, da mache ich mir nichts vor. Sondern daran, dass ich mich überwiegend in meinem Zimmer aufhielt und mürrisch war. So müssen Künstler sein, glaubte man in einer künstlerlosen ostdeutschen Kleinstadt.

Vor dem Abitur besuchte meine Klasse das BIZ, ein seriöses Berufsinformationszentrum. Dort bekamen wir Fragen gestellt und mussten ja oder nein ankreuzen. Dann wurden uns passende Berufe vorgeschlagen.
„Möchten Sie im Freien arbeiten?“ Ich kreuzte ja an.
„Möchten Sie den ganzen Tag mit Menschen zusammen sein?“ Ich kreuzte nein an.
„Möchten Sie täglich Kontakt zu Tieren haben?“ Ich kreuzte ja an.
Das BIZ schlug mir den Beruf des Fischwirtes vor.

Mehr lesen

Von Goldrausch und geraspelten Schlümpfen

Von Ilke S. Prick (Text) und Ulrike Jensen (Fotos)

Ob es wohl noch weit sei, fragten wir uns im vergangenen Herbst, als die Welt noch im gewohnten Modus lief und Workshops möglich waren. Die Namen der S-Bahn-Stationen, die wir passierten, waren uns nahezu unbekannt, und die Gegend vorm Waggonfenster wurde grün und grüner. Unser Ziel war Lichtenrade. Einer dieser Bezirke, in die man schon immer mal fahren wollte, nur irgendwie … Hm. Doch nun waren wir auf dem Weg, die wunderbare Illustratorin und Spreeautoren-Kollegin Ulrike Jensen und ich. Gemeinsam wollten wir in Lichtenrade eine Werkstatt anbieten, in der Kinder ihr eigenes ABC gestalten können: das Kiez-ABC.

Mehr lesen

Operation Herzensprojekte

© Fotocenter Berlin

Von Kathrin Köller

Im Frühjahr 2019 hat sich Kristina Heldmann für die Kunst entschieden. Mal wieder. Dabei hatte die Illustratorin gerade einen PR-Job angenommen, damit mal ein bisschen Geld in die Familienkasse fließt. Doch ein kleiner, aber feiner Verlag will ihr Buch verlegen. Ein Kunstsachbuch soll es werden, das Klimawandel und Klimaschutz für Kinder ansprechend erklärt. Ein Herzensprojekt. Für die Zukunft der Kinder hängt Kristina Heldmann den Brotjob an den Nagel und verschreibt sich ganz der Kunst. Und der Wissenschaft. Denn weil das Honorar schon für eine Person nicht reicht, übernimmt die Künstlerin auch die Autorenrolle, interviewt Wissenschaftler und macht daraus knackige, für Kinder verständliche Texte. Wie sie über die Runden kommt, stellt sie hinten an. Sie arbeitet ohne Unterlass, denn irgendwann, wenn das Buch erscheint, dann ist das ihr Lohn.

Mehr lesen