Sommerpause bis August

©Katja Spitzer

Liebe Leserinnen und Leser,

unser Blog macht Sommerpause! Wir melden uns im August mit spannenden Artikeln, Interviews und Links zurück. Haben Sie Anregungen, Tipps und Kritik? Wir freuen uns auf Feedback.

Einen schönen Sommer wünscht die Spreeautoren Blogredaktion Salah Naoura, Bianca Schaalburg, Constanze Guhr und Katja Spitzer.

Unvergleichbar

Über die Illustration von Comics und Kinderbüchern
Ein Artikel von Thilo Krapp

In einem deutschen Comicmagazin war neulich der folgende Satz über einen Kollegen zu lesen: „Außerdem merkt man XY an, dass er überwiegend Kinderbücher illustriert.“ Fatal an diesem Satz war, dass er nicht stimmte – wer Illustrator*in war, sah, dass es sich von der stilistischen „Abstammung“ her genau umgekehrt verhielt. In einem Fachmagazin für Kinderliteratur hingegen hieß es neulich, dass es Bücher für Jungs mit „ein paar Comics (…) mit wenig Text“ gebe, „damit man sie ja nicht überfordert“. Auch hier eine pauschale Abwertung der anderen, obwohl artverwandten Bild- und Erzählsprache.

Das alles lässt tief blicken: wie wichtig es in der deutschen Illustrations- und Comicszene offenbar für manche noch ist, untereinander eine deutliche Unterscheidung zu machen. Dieser Wunsch, sich zu unterscheiden, mag Gründe haben – aber es sei mal gefragt, wie groß seine Berechtigung ist?

Lesekompetenz und Leseförderung – gestern und heute

© privat

von Andreas Hartmann

Kann man sich das heute noch vorstellen? Zur Zeit meiner Kindheit, Ende der 70er/Anfang der 80er Jahre, konnte das Bild eines lesenden Jungen die Eltern nicht selten in Sorge versetzen. „Warum geht er nicht raus und schrammt sich die Knie auf dem Bolzplatz blutig?“ Wir sollten lernen, uns mit Ellenbogen, notfalls auch mit der Faust, durchzusetzen. Das Lesen würde schon von alleine kommen, zumindest so weit, wie es für den beruflichen Alltag im späteren Erwachsenenleben als erforderlich angesehen wurde.

Diejenigen, deren Lesekompetenz als unzureichend galt (schon damals teilte ich die Klasse mit zahlreichen Kindern, die zwar in Deutschland aufgewachsen, aber in der Sprache nicht zu Hause waren), diejenigen mit mangelhafter Lese- und Sprachkompetenz also bekamen Förderunterricht. Der bestand in weiten Teilen darin, dass die Kinder Texte aus schmucklosen Lesefibeln bearbeiten sollten. Eigeninteresse, intrinsische Lust am Buch, das Vergnügen in „Lesevergnügen“ wurde so gewiss nicht geweckt.

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Von Feelein und Rehlein, Hauptsache lieb

 © Till Hülsemann

von Salah Naoura

„Mein Vater ist sauer. Deshalb schreit er mich an, deshalb haut er mir eine runter, deshalb kann er mich heute nicht riechen“, schrieb Susanne Kilian 1972 im NEIN-Buch für Kinder (Beltz & Gelberg). Solche Sätze sind im heutigen deutschsprachigen Kinderbuch kaum noch anzutreffen. Bloß nicht anecken, bloß keine Erwachsenen (denn vornehmlich die kaufen ja die Bücher für den Nachwuchs) zu unsympathisch und Kinder zu unerzogen wirken lassen – dies scheint, so jedenfalls bestätigen es viele meiner KollegInnen, das derzeitige Credo vieler Kinderbuchverlage zu sein. Dort werden Figuren bei der Prüfung von Manuskripten einer strengen Verhaltenskontrolle unterzogen. Omas müssen lieb sein, Eltern stets ihr Bestes geben und nicht krank werden, Kinder sollten weder schimpfen (keine Kraftausdrücke bitte!) noch kotzen – Geschichten mit Figuren, die zu unfreundlich, kritisch oder gar traurig wirken, werden entsprechend geglättet oder abgelehnt. Einzig das Klischee der trutschigen Lehrerin mit Halbmondbrille und Angst vor Mäusen, ein Überbleibsel aus den Fünzigern, wird auch heute noch gern (besonders auch im Kinderfilm) bemüht. Lehrerfiguren sind eine Ausnahme und dürfen gerne weiterhin nervig sein, das stört vorlesende Eltern nicht.

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Interview mit Mirai vom Blog „Lass mal lesen“

Mirai und unsere Autorin Martina Wildner

Mirais Blog: https://lass-mal-lesen.blog

Bei Instagram ist Mirai unter dem Namen @lesehexemimi zu finden.

Ein Text von Martina Wildner

An einem schönen Frühlingstag treffe ich mich mit der Buchbloggerin Mirai, 12, in einem Café in der Florastraße in Pankow. Wir haben es beide nicht weit, ich bin aber ganz verschwitzt, weil ich ziemlich schnell geradelt bin.

Zuerst machen wir Fotos, draußen vor blühenden Forsythien und Zierpflaumen, dann geht es los. Ich muss Mirai gestehen, dass es das erste Interview meines Lebens ist – ich bin 50! – und sie rät mir, ein Programm anzuschaffen, das mit dem Handy aufgenommene Gespräche in Text umwandelt. Stimmt! Gleich was gelernt! Also auf zur ersten Frage:

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