In Echtzeit

Digitale Formate für Autor*innenlesungen

© Lenka Grossmannova

Von Rike Reiniger

Online-Autor*innenlesungen sind etwas anderes als Begegnungen in Präsenz – so viel war schon kurz nach Beginn der Pandemie klar. Aber welche Bedingungen lassen eine digitale Lesung inspirierend werden? Was sind die besten künstlerischen Formate und die notwendigen technischen Voraussetzungen für Online-Veranstaltungen?

Dem wollten wir als Friedrich-Bödecker-Kreis Berlin mit dem Projekt „In Echtzeit“ nachgehen. Grundidee war, Leseformate für Konferenztools zu entwickeln, bei denen die digitale Kopräsenz von Autor*in und Kindern mit vorproduzierten digitalen Inhalten kombiniert wird. Im Rahmen des Projekts konnten sich Autor*innen und Medienkünstler*innen überregional zusammenfinden, um mit solchen Formaten zu experimentieren.

Als Einstieg bekamen alle Beteiligten eine thematische Einführung von Dorit Linke, die als eine von wenigen Kolleg*innen unabhängig von der Pandemie schon seit 2019 online Lesungen anbietet. Außerdem standen ein Technik-Pool und ein Ansprechpartner für technischen Support zur Verfügung. Die folgenden Arbeitsprozesse in den einzelnen Teams verliefen sehr unterschiedlich. Zum Teil konnten sich Autor*in und Medienkünstler*in auf eine Umsetzung verständigen, zum Teil waren es längere kreative Auseinandersetzungen, und in einem Fall entsprachen die Erwartungen des Autors nicht den Möglichkeiten des Projekts, sodass der Kollege leider ausgestiegen ist.

Mehr lesen

Kann ich helfen?

Foto © Dietmar Lilienthal

Text und Bilder von Karsten Teich

Du begegnest in dieser Geschichte moderner Architektur, meinem „Krafttier“, einer russischen Raumsonde, einer Klobürste und einem osmanischen Krummsäbel. Es wird Blut fließen, aber leider kein Kaffee.

9:57
Ich stehe seit einer Dreiviertelstunde vor der Zweigstelle der Bibliothek und drücke mein Gesicht gegen die Vollverglasung der Tür. Links und rechts von mir ist ebenfalls alles aus Glas. Ich habe uneingeschränkte Sicht nach innen, auf die Frau mit der Handtasche. Sie hat zweifellos ebenfalls freie Sicht zu mir nach draußen. Ich kann sehen, dass sie mich sieht. Trotzdem läßt sie mich nicht rein. 

Ich habe gelesen, dass Orte wie dieser einladend wirken sollen. Die moderne Bibliothek ist ein Ort „barrierefreier“ Begegnung und des Austauschs. Die Architektur will es so. Alles ist Licht. Hier gibt es keine Schatten.

9:59
Die Frau mit der Handtasche trägt ein Heißgetränk an mir vorbei. Ich suche ihren Blick, aber sie nicht meinen. Wenn das der Architekt wüsste!
Ich bin verunsichert, halte Ausschau nach einem Schild, das ich vielleicht übersehen habe: „Autoren verboten“ oder so. Da ist aber nur ein Verbotsschild für Hunde.

Die Frau taxiert mich feindselig über den Rand ihrer Tasse. Dann schaut sie auf ihr Handgelenk. Ich höre mich ungeduldig winseln. Na, toll! Klingt so mein Krafttier für diesen Tag? Nach Hund? Ich stelle die Ohren auf und tänzele ungeduldig von einer Pfote auf die andere.
Ich belle. Mein Gott! Habe ich das wirklich gemacht?! Ich bin Autor und Illustrator! Ich bin hier, weil ich Kindern etwas vorlesen und -zeichnen soll. Ich bin eingeladen!!!

Mehr lesen

Wenn ich ein Bilderbuch schreibe …

Von Johanna Lindemann

Manche Ideen für meine Bilderbücher hängen als überreife Früchte am Gute-Nacht-Geschichten-Erzählbaum, manche sind so fragil wie ein Windhauch, eine Ahnung, für die es noch keine Worte gibt. Und dann gibt es noch die Ideen, die landen – BÄMM! – als 16-Tonnen-Gewicht. Jene, denen es egal ist, was andere dazu sagen oder denken. Das sind bei mir aber die wenigsten. Die meisten meiner Ideen sind, zumindest anfangs, sehr scheue Wesen und mögen es gar nicht, vor allzu vielen Menschen besprochen und vorgeführt zu werden. Das musste ich leider erst mühsam lernen.

Coverillustration: Astrid Henn, Annette Betz Verlag 2018

Die größte Herausforderung beim Bilderbuchgeschichtenschreiben besteht für mich darin, erst mal einzuschätzen, ob sich die Ausarbeitung der Grundidee lohnt. Denn das liebe ich am Schreiben für Bilderbücher: Ich kann auch mal einer Idee folgen, um dann zu merken, nein, das wird nichts, das funktioniert so nicht. Die Arbeitszyklen einer Bilderbuchgeschichte sind für mich als Autorin viel kürzer als bei einer längeren Geschichte, ich kann mich also auch mal vergaloppieren und ohne allzu großen Gram aus der Idee wieder aussteigen – um sie mir vielleicht Monate später noch mal mit neuem Blick und Erkenntnisgewinn anzuschauen.

Aktuell arbeite ich bestimmt an einem Dutzend Bilderbuchgeschichten gleichzeitig, alle in unterschiedlichen Entwicklungsstadien. Ein bisschen wie ein verwilderter Garten, in dem ich immer mal wieder vorbeischaue und ein wenig hier gieße und dort was wegschneide und mich freue und wundere, was da alles so wächst … Wenn mich eine Idee packt, läuft das in den meisten Fällen folgendermaßen ab:

Mehr lesen

Links im Monat März

Cover: © Felicitas Horstschäfer, Beltz & Gelberg

Radiobeitrag und Minilesung:
„Der Himmel über dem Platz“ heißt das neue Buch von Spreeautorin Martina Wildner. Einen schönen Beitrag über das Buch kann man im Deutschlandradio nachhören. Auf Martina Wildnders Youtube-Kanal gibt es sogar eine Minilesung.
Das schicke Cover stammt übrigens von Felicitas Horstschäfer (Spreeillustratorin).

Neue Mitglieder:
Martin Muser, Tania Witte, Boris Pfeiffer, Sandra Nenninger, Maike Harel, Dita Zipfel und Finn-Ole Heinrich sind neu auf unserer Spreeautoren-Website. Herzlich willkommen!

Mehr lesen

Irgendwo zwischen Wahnsinn und wahnsinnig wichtig

© Ilke S. Prick

Von Ilke S. Prick

„Ich verstehe, wenn Sie nicht zusagen, aber für die Kinder wäre es großartig!“ Nicht zum ersten Mal im letzten Herbst gab es innerhalb eines Satzes diesen Spagat. Auf der einen Seite die Kinder, auf der anderen ich, mit sämtlichen Corona-Mahnungen im Ohr. Dazwischen, im Telefonhörer, eine nette Bibliothekarin, die für Schulveranstaltungen noch Gelder hatte und den Enthusiasmus besaß, diese auch in Krisenzeiten auszuschütten. Sämtliche Kultur-Events waren bereits abgesagt, die Schulen hangelten sich durch Quarantäne-Szenarien und Ampelsysteme, doch waren hier Lesungen und Werkstätten noch möglich, da wir, die wir Kinderbücher schreiben und illustrieren, nicht nur als Kultur gelten, sondern auch pädagogisch sinnvoll eingesetzt werden können. Was sollte ich also machen?

Schreibwerkstatt im Lesekeller der Adolf-Glaßbrenner-Grundschule
Mehr lesen