Irgendwo zwischen Wahnsinn und wahnsinnig wichtig

© Ilke S. Prick

Von Ilke S. Prick

„Ich verstehe, wenn Sie nicht zusagen, aber für die Kinder wäre es großartig!“ Nicht zum ersten Mal im letzten Herbst gab es innerhalb eines Satzes diesen Spagat. Auf der einen Seite die Kinder, auf der anderen ich, mit sämtlichen Corona-Mahnungen im Ohr. Dazwischen, im Telefonhörer, eine nette Bibliothekarin, die für Schulveranstaltungen noch Gelder hatte und den Enthusiasmus besaß, diese auch in Krisenzeiten auszuschütten. Sämtliche Kultur-Events waren bereits abgesagt, die Schulen hangelten sich durch Quarantäne-Szenarien und Ampelsysteme, doch waren hier Lesungen und Werkstätten noch möglich, da wir, die wir Kinderbücher schreiben und illustrieren, nicht nur als Kultur gelten, sondern auch pädagogisch sinnvoll eingesetzt werden können. Was sollte ich also machen?

Schreibwerkstatt im Lesekeller der Adolf-Glaßbrenner-Grundschule
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Prost Neujahr!

© Constanze Guhr


Hoch die Gläser, wunderbar,
vorbei ist dieses miese Jahr
mit Wellen und dem Wort mit C
in dieser Stadt hier an der Spree.
Auf dass das neue nicht wie’s alte
viele Locks und Downs enthalte,
sondern Tage, dann und wann,
wo man sich mal treffen kann.
Wir wünschen euch auf allen Wegen,
Kolleginnen sowie Kollegen,
nur das Beste, bleibt gesund,
möglichst guten Mutes … UND
dichtet oder zeichnet heiter
auch Zwanzig-Einundzwanzig weiter!

(Salah Naoura)

Wie ich dieses Jahr zum Online-Vorleser wurde


© Susanne T. Müller

Von Martin Muser

2019 war für mich beruflich gesehen ein tolles Jahr. Zwei Kinderbuchveröffentlichungen, viele Anfragen für Lesungen, Festivaltouren kreuz und quer durch Deutschland. 2020 sollte es so weitergehen, dann kam Corona. Nach meiner letzten Lesung Ende Januar bröckelte Stück für Stück alles weg: Bibliotheken, Schulen, Festivals … Im Juni wollte ich eine Buchpremiere feiern, und auf der Leipziger Buchmesse sollte ich zum Lesekünstler des Jahres gekürt werden … alles perdu. Stattdessen bekam ich Anfragen für Online-Lesungen, die erste Mitte März von meinem Verlag (Carlsen). Zehn Minuten reichen, bitte Querformat und halbnah in die Kamera. Ich setzte mich vor mein Smartphone und nahm mich auf. Erst zu zappelig, dann zu onkelhaft. Nach fünf Takes verschickte ich zehn Minuten, die mir passabel erschienen. Heute fällt es mir schwer, die Lesung anzuschauen. Reichweite? 994 Abrufe und 14 Likes.

Die nächste Leseanfrage kam gleich hinterher: Initiiert von Kirsten Boie, NDR, SWR und den Verlagen sollten Kinderbuchautor*innen für die im Lockdown festsitzenden Kinder lesen. Die Einladung erschien mir wie ein Ritterschlag. Doch die Aussicht, dass das Ganze live sein sollte, verursachte Schweißausbrüche und Herzrasen. Hinzu kam, dass ich die nötige Technik selber organisieren musste (war ja Lockdown). Ich lieh mir das besonders leistungsfähige Notebook meiner Tochter, ein extralanges LAN-Kabel, verband alles mit dem Router und bastelte mir im Wohnzimmer ein Studio zusammen. (Untersicht vermeiden! Weiches Licht!)

Ankündigung der ersten Online-Lesung © Martin Muser, SWR/NDR
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Operation Herzensprojekte

© Fotocenter Berlin

Von Kathrin Köller

Im Frühjahr 2019 hat sich Kristina Heldmann für die Kunst entschieden. Mal wieder. Dabei hatte die Illustratorin gerade einen PR-Job angenommen, damit mal ein bisschen Geld in die Familienkasse fließt. Doch ein kleiner, aber feiner Verlag will ihr Buch verlegen. Ein Kunstsachbuch soll es werden, das Klimawandel und Klimaschutz für Kinder ansprechend erklärt. Ein Herzensprojekt. Für die Zukunft der Kinder hängt Kristina Heldmann den Brotjob an den Nagel und verschreibt sich ganz der Kunst. Und der Wissenschaft. Denn weil das Honorar schon für eine Person nicht reicht, übernimmt die Künstlerin auch die Autorenrolle, interviewt Wissenschaftler und macht daraus knackige, für Kinder verständliche Texte. Wie sie über die Runden kommt, stellt sie hinten an. Sie arbeitet ohne Unterlass, denn irgendwann, wenn das Buch erscheint, dann ist das ihr Lohn.

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Fusseln zwischen meinen Zehen – ein Corona-Gedicht

Foto: © privat

Von Andreas Hartmann

Anfangs war es ja noch schön, den ganzen Tag zu Haus.
Unterricht im Schlafanzug, und niemand fragt mich aus.
Kein Wecker nervt um sechs Uhr früh, Ma ruft nicht: „Halt dich ran!“
Vokabeltests und Matheprüfung gibt’s erst irgendwann.
Neue Wörter lern ich auch, zum Beispiel Pandemie.
Paps Büro ist jetzt daheim. Wir schnuffeln oft wie nie!

Doch langsam wird es mir zu blöd. Die Zeit, sie macht sich lang.
Freunde darf ich jetzt nicht sehen, denn davon wird man krank.
Kein Quatsch mit andren in der Schule, auf dem Pausenhof.
Den ganzen Tag mit mir zu Haus – so langsam wird’s mal doof.
Das Wetter ist ein Frühlingstraum, schönster Sonnenschein.
Doch draußen nur spazieren gehen, und das auch noch allein?

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