Wenn ich ein Bilderbuch schreibe …

Von Johanna Lindemann

Manche Ideen für meine Bilderbücher hängen als überreife Früchte am Gute-Nacht-Geschichten-Erzählbaum, manche sind so fragil wie ein Windhauch, eine Ahnung, für die es noch keine Worte gibt. Und dann gibt es noch die Ideen, die landen – BÄMM! – als 16-Tonnen-Gewicht. Jene, denen es egal ist, was andere dazu sagen oder denken. Das sind bei mir aber die wenigsten. Die meisten meiner Ideen sind, zumindest anfangs, sehr scheue Wesen und mögen es gar nicht, vor allzu vielen Menschen besprochen und vorgeführt zu werden. Das musste ich leider erst mühsam lernen.

Coverillustration: Astrid Henn, Annette Betz Verlag 2018

Die größte Herausforderung beim Bilderbuchgeschichtenschreiben besteht für mich darin, erst mal einzuschätzen, ob sich die Ausarbeitung der Grundidee lohnt. Denn das liebe ich am Schreiben für Bilderbücher: Ich kann auch mal einer Idee folgen, um dann zu merken, nein, das wird nichts, das funktioniert so nicht. Die Arbeitszyklen einer Bilderbuchgeschichte sind für mich als Autorin viel kürzer als bei einer längeren Geschichte, ich kann mich also auch mal vergaloppieren und ohne allzu großen Gram aus der Idee wieder aussteigen – um sie mir vielleicht Monate später noch mal mit neuem Blick und Erkenntnisgewinn anzuschauen.

Aktuell arbeite ich bestimmt an einem Dutzend Bilderbuchgeschichten gleichzeitig, alle in unterschiedlichen Entwicklungsstadien. Ein bisschen wie ein verwilderter Garten, in dem ich immer mal wieder vorbeischaue und ein wenig hier gieße und dort was wegschneide und mich freue und wundere, was da alles so wächst … Wenn mich eine Idee packt, läuft das in den meisten Fällen folgendermaßen ab:

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