Bananadogs in San Francisco

Von Katja Spitzer

© Katja Spitzer

Ich liebe meine Arbeit und kann mir meist nichts Schöneres vorstellen, als Bücher zu illustrieren. Aber manchmal denke ich daran, wie mein Leben wohl verlaufen wäre, wenn ich einen anderen Beruf ergriffen hätte.
Schon als Kind mochte ich Bücher und sortierte sie gern. „Vielleicht wirst du ja Bibliothekarin“, vermutete meine Mutter. Die Leute um mich herum tippten eher auf Künstlerin. Was aber nicht an einer sichtbaren Begabung lag, da mache ich mir nichts vor. Sondern daran, dass ich mich überwiegend in meinem Zimmer aufhielt und mürrisch war. So müssen Künstler sein, glaubte man in einer künstlerlosen ostdeutschen Kleinstadt.

Vor dem Abitur besuchte meine Klasse das BIZ, ein seriöses Berufsinformationszentrum. Dort bekamen wir Fragen gestellt und mussten ja oder nein ankreuzen. Dann wurden uns passende Berufe vorgeschlagen.
„Möchten Sie im Freien arbeiten?“ Ich kreuzte ja an.
„Möchten Sie den ganzen Tag mit Menschen zusammen sein?“ Ich kreuzte nein an.
„Möchten Sie täglich Kontakt zu Tieren haben?“ Ich kreuzte ja an.
Das BIZ schlug mir den Beruf des Fischwirtes vor.

Heute arbeite ich fast ausschließlich drinnen, teile mir ein Atelier mit drei Menschen und habe, seit ich Vegetarierin bin, überhaupt keinen Kontakt mehr zu Tieren. Könnte ich jetzt noch mal neu anfangen, würde ich mich wahrscheinlich mit einer erfolgversprechenden Businessidee selbstständig machen. Am besten eine, die mich unverschämt reich macht. Denn genügend Geld hat man in meinem Job leider selten. Wovon ich aber tatsächlich genug habe, sind erfolgversprechende Businessideen.

Zum Beispiel die Sache mit den Bananadogs. Das war nämlich so:
Vor sechs Jahren war ich mit meinen Kolleginnen für zehn Tage in San Francisco. Ich war wie berauscht. San Francisco kam mir wie die tollste Stadt der Welt vor: Ich sah Hippies im Park, Dogwalker, junge Menschen, die dutzendweise mit Bussen zu den Start-up-Fabriken gebracht wurden, Frauen mit tätowierten Sternen im Gesicht, die Golden Gate Bridge, und ich probierte den leckersten Kaffee, den ich je getrunken hatte. Ich trank ständig ein bisschen zu viel Kaffee und litt außerdem unter Jetlag.

Als ich eines Nachts wach im Bett lag, poppte in meinem Gehirn die Idee mit den Bananadogs auf. Stellen Sie sich einen Hot Dog vor, aber lassen Sie das Würstchen weg. Stattdessen liegt eine Banane gemütlich in dem weichen Brötchen. Dazu gibt es viele leckere Saucen zur Auswahl. Vielleicht dunkle Schokolade/Whiskey oder Erdnuss/Krokant oder Mascarpone/Zimt. Darüber streut man Nüsse oder bunte Mini Marshmallows als Topping.
Voilà, fertig ist eine leckere Streetfoodinnovation. Selbstverständlich erhältlich in vegetarisch, vegan und glutenfrei. Preiswert sollten die Bananadogs auch sein. Für ca. 3 Euro könnte sich fast jede oder jeder täglich einen Bananadog leisten!

Kennen Sie Starbucks? Das ist ja am Ende auch nur ein Kaffeeladen mit ganz viel Marketing. Bananadog hätte definitiv Starbucks-Potenzial! Kaffee ist beliebt, das ist unbestritten. Aber Bananen haben eine größere Zielgruppe. Ich sage nur: Kinder. Bananen können im Gegensatz zu Kaffeespezialitäten auch von Kindern konsumiert werden! Ich sah bereits Filialen in der ganzen Welt vor mir: in Sydney, in Bukarest, in Leipzig. Im Internet heißt es, die Banane sei exotisch, lecker und gesund. 1985 schnellte der Bananenverkauf rasant in die Höhe, als Boris Becker in Wimbledon eine Banane aß. Allein der Deutsche snackt 25 Kilogramm Bananen im Jahr. Und was die Banane für uns Ostdeutsche bedeutet, ist ja allgemein bekannt.

Um die Bananadogs erfolgreich zu vermarkten, benötigte ich natürlich Startkapital. Obwohl ich es hartnäckig versuchte, konnte ich weder meine Kolleginnen noch meinen Freund überzeugen, in meine Idee zu investieren. Ich bemühte mich um mehr Aufträge, um das Geld selbst zusammen zu bekommen. Über meine neuen Buchprojekte hatte ich die Idee dann aber irgendwann vergessen. Jetzt, in der Coronakrise, esse ich wieder mehr Bananen, man hat ja jetzt die Zeit. Und dann denke ich ab und zu an die Bananadogs und wie reich wir alle hätten werden können … Apropos, haben Sie zufällig etwas Kapital übrig und Lust in eine erfolgversprechende Businessidee zu investieren?