Das schaurige Haus – Der Film

Von Martina Wildner

So ein Film ist eine langwierige, komplizierte und vor allem teure Angelegenheit. Zwischen dem Erscheinen meines Buches „Das schaurige Haus“ 2011 und der voraussichtlichen Premiere Halloween 2020 liegen neun Jahre. In der Zeit wurde das Buch für den Deutschen Jugend-literaturpreis 2012 nominiert und hat sich zu einem kleinen Dauerbrenner – es ist öfter sogar Schullektüre – entwickelt. Irgendwann in dieser Zeit kaufte die Münchner Filmproduktionsfirma nakedeye eine Option auf das Buch. Die Rechte hatte ich einst an Beltz abgegeben, die wiederum eine Filmagentur (Graf & Graf) beauftragt hatten.

Lange Zeit hörte ich nichts, bis es plötzlich im Februar 2017 zu einem Treffen mit den Drehbuchautoren und nakedeye kam. Die Angelegenheit nahm an Fahrt auf, der ORF zeigte Interesse, sich an den Produktionskosten zu beteiligen, und so wurde der Film zu einer rein österreichischen Produktion der Firma monafilm (www.monafilm.tv), weswegen schließlich das Geschehen vom Allgäu nach Kärnten verlegt wurde. Der Allgäuer Dialekt wurde zum Kärntner Dialekt, mein Held Hendrik, ein Ossi, wurde Piefke aus Hannover! Am 28. August fuhr ich für einen Setbesuch nach Bad Eisenkappel bei Klagenfurt.

Bad Eisenkappel liegt in einem zweisprachigen Gebiet (Deutsch/Slowenisch) in den Karawanken, gleich an der Grenze zu Slowenien. Man erreicht den Ort durch ein enges Tal und er wirkt um einiges „hinterwäldlerischer“ als mein Allgäuer Ort. Das steigert natürlich die Fallhöhe: Mein Held aus der Großstadt Hannover, wo (angeblich) reinstes Hochdeutsch gesprochen wird, zieht in ein verlorenes Kaff fast schon im Balkan!

Die Innenaufnahmen waren innerhalb von zwei Wochen in einem Wiener Studio entstanden, die Außenszenen sollten in den darauffolgenden vier Wochen im Gebiet um Bad Eisenkappel gedreht werden. An dem Tag, an dem ich das Set besuchte, standen Szenen bei einem Trachtenfest auf dem Plan. Dafür wurden viele Statisten gebraucht. Die Komparsen durften ihr eigenes Dirndl bzw. ihre eigene Lederhose mitbringen.

Die Trachtenszene spielte in einem Festsaal. Es sollte u.a. getanzt werden. Dafür hatte man als Location den alten Festsaal vom Gasthaus Annabrücke gefunden:

Es gab eine extra für den Dreh erfundene Biermarke – mit dazugehörigen Flaschen, Bierdeckeln und Gläsern:

Ein Polizeiauto war präpariert …

Und natürlich musste jede Menge Technik angeschleppt werden:

Wenn im Festsaal gedreht wurde, wurde draußen die Straße abgesperrt, damit keine Motorengeräusche den Ton störten. Sehr liebevoll wurden alle möglichen Requisiten vorbereitet, wie auf dem nächsten Foto die Filmbowle, von der meine Helden im Film eindeutig zu viel abbekommen. In Wirklichkeit ist in der Bowle nur Kindersekt. In den Schnapsflaschen war Wasser, und der Schaum auf dem Bier wurde mit einem speziellen Schaum aus der Sprühflasche immer wieder erneuert. Für mich als absoluten Filmlaien war das alles neu und spannend!

Wenn man beim Film mit Kindern arbeitet, muss man viele Dinge berücksichtigen: Kinder dürfen am Tag längst nicht so lange arbeiten wie Erwachsene, außerdem ist es wegen der Schulpflicht oft nötig, in den Sommerferien zu drehen. Das war auch bei diesem Film der Fall. Deswegen wurden alle Szenen, die im Buch im Winter spielen, in den Sommer verlegt – aus einem Faschingsumzug wurde beispielsweise das erwähnte Trachtenfest, aus Skifahren Baden. Da der Film später unter FSK 12 in die Kinos kommen soll, wurden auch die Protagonisten älter gemacht. Hendrik, der Held, ist 16 statt 13 Jahre alt. Sein kleiner Bruder Eddi ist neun statt fünf. Außerdem ist im Film der Vater der beiden gestorben – im Buch war die Familie intakt. Natürlich hatte ich, was diese Änderungen betrifft, keinerlei Mitspracherecht. Aber ich hatte in die Drehbuchautoren Timo Lombeck und Marcel Karwentel, die ein wirklich schönes Drehbuch geschrieben haben, sowie in die Münchner Produktionsfirma nakedeye vollstes Vertrauen. Ich bin sehr gespannt auf den fertigen Film und die Premiere im nächsten Jahr.

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